Warum ich diese Arbeit weiterführen möchte

Manche Arbeiten begleiten einen auch dann noch, wenn das Gespräch längst beendet ist.
Die Würdezentrierte Biografiearbeit gehört für mich dazu.
Ich habe erlebt, wie Menschen ihr Leben erzählen.
Wie aus einer scheinbar kleinen Erinnerung plötzlich eine wichtige Geschichte wird.
Wie Angehörige beim Lesen eines Dokuments einen Menschen noch einmal ganz anders kennenlernen.
Und wie wertvoll es sein kann, die eigenen Worte später noch einmal in den Händen zu halten.
Besonders wichtig ist mir die Arbeit mit Eltern kleiner Kinder
Wenn ein Elternteil schwer oder lebensverkürzend erkrankt, steht zunächst natürlich die medizinische und psychosoziale Versorgung im Mittelpunkt.
Und gleichzeitig gibt es diese andere, sehr persönliche Frage:
Was möchte ich meinen Kindern hinterlassen?
Die Kinder sind vielleicht noch zu klein, um zu verstehen, was gerade passiert.
Sie wissen vielleicht nicht, dass sie später Fragen haben werden.
Aber ihre Eltern können heute schon etwas für dieses „später“ tun.
Sie können erzählen.
Von ihrer Kindheit.
Von ihren Eltern.
Von ihren Träumen.
Von ihrem Leben.
Von der Liebe.
Von schwierigen Zeiten.
Von dem, was sie gelernt haben.
Und vor allem:
von dem, was sie ihren Kindern noch sagen möchten.
Deshalb möchte ich diese Arbeit stärker sichtbar machen
Ich möchte mit Menschen und Einrichtungen zusammenarbeiten, die Familien in dieser besonderen Situation begleiten.
Mit Hospizen.
Mit ambulanten Hospizdiensten.
Mit Palliativteams.
Mit Fachkräften aus der psychosozialen Begleitung.
Mit Menschen, die vielleicht irgendwann denken:
„Für diese Familie könnte das wertvoll sein.“
Denn manchmal ist es gar nicht die Familie selbst, die nach einer solchen Möglichkeit sucht.
Vielleicht fehlt schlicht die Kraft.
Vielleicht wissen die Angehörigen nicht, dass es dieses Angebot gibt.
Vielleicht hat eine Fachkraft den entscheidenden Gedanken:
„Wäre das etwas für sie?“
Und ich möchte, dass die finanzielle Frage nicht das Erste ist
Gerade Familien, die mit einer schweren Erkrankung leben, haben schon genug zu bewältigen.
Deshalb möchte ich auch mit Einrichtungen, Unterstützern und möglichen Förderern darüber sprechen, wie solche Biografieprojekte ermöglicht werden können.
Denn die Frage, ob eine persönliche Lebensgeschichte entstehen kann, sollte nicht ausschließlich davon abhängen, ob eine Familie die Kosten dafür selbst tragen kann.
Was am Ende bleibt
Ich kann keine gemeinsame Zeit zurückgeben.
Keine Krankheit ungeschehen machen.
Und keinen Menschen ersetzen.
Aber ich kann zuhören.
Fragen stellen.
Erinnerungen festhalten.
Worte bewahren.
Und gemeinsam mit einem Menschen etwas schaffen, das später noch da ist.
Eine Geschichte.
Seine Geschichte.
Ihre Geschichte.
In den eigenen Worten.
Für die Menschen, die bleiben.
Das ist der Grund, warum ich diese Arbeit weiterführen möchte.
Und wenn Sie in der Hospiz- oder Palliativarbeit tätig sind und eine Familie kennen, für die eine solche Begleitung hilfreich sein könnte, freue ich mich über den Austausch.
Manchmal beginnt etwas Bleibendes mit einem ganz einfachen Satz:
„Möchten Sie Ihre Geschichte für Ihre Kinder festhalten?“



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