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Was bedeutet Würde am Lebensende?

Monika Popp
vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

Was bedeutet Würde am Lebensende?


Für mich beginnt Würde damit, einen Menschen nicht auf seine Erkrankung zu reduzieren.

Ein Mensch ist nicht nur Patient.

Er ist weiterhin Mutter oder Vater.

Partner oder Partnerin.

Freund.

Schwester.

Bruder.

Kollege.

Großmutter.

Großvater.

Und vor allem:

ein Mensch mit einer eigenen Geschichte.


Die Krankheit darf nicht die ganze Geschichte werden

Eine schwere Erkrankung kann vieles bestimmen.

Den Tagesablauf.

Die körperliche Kraft.

Die Gespräche.

Die Zukunftsplanung.


Manchmal scheint irgendwann alles nur noch um die Krankheit zu kreisen.


Aber hinter der Diagnose steht ein ganzes Leben.

Eine Kindheit.

Eine Jugend.

Beziehungen.

Berufliche Wege.

Entscheidungen.

Erfolge.

Fehler.

Liebe.

Verluste.

Hoffnungen.

Und Erfahrungen.


Diese Geschichte bleibt Teil des Menschen.


Würdezentrierte Biografiearbeit schafft einen anderen Raum

In meinen Gesprächen geht es deshalb nicht zuerst um die Erkrankung.


Es geht um den Menschen.


Ich frage zum Beispiel:

Was hat Ihr Leben geprägt?

Welche Menschen waren wichtig?

Was hat Ihnen Kraft gegeben?

Worauf sind Sie stolz?

Was haben Sie gelernt?

Was möchten Sie Ihren Angehörigen mitgeben?

Welche Werte möchten Sie weitergeben?

Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?


Der Mensch entscheidet selbst, was er erzählen möchte.

Und ebenso, was er nicht erzählen möchte.


Würde bedeutet auch, gehört zu werden

Vielleicht klingt „Zuhören“ zunächst nach etwas ganz Selbstverständlichem.


Aber wirklich zuzuhören ist etwas anderes.

Nicht bereits überlegen, was man antworten möchte.

Nicht bewerten.

Nicht korrigieren.

Nicht die Geschichte in eine bestimmte Richtung lenken.


Sondern da sein.

Mit Zeit.

Mit Respekt.

Mit echtem Interesse.


Ich glaube, dass darin ein wichtiger Teil von Würdigung liegt.

Deine Geschichte ist wichtig.

Dein Leben zählt.


Was kann daraus entstehen?

Aus den Gesprächen entsteht ein persönliches Dokument.

Es kann Erinnerungen enthalten.

Lebensweisheiten.

Gedanken.

Wünsche.

Botschaften.

Familiengeschichten.


Und vielleicht Dinge, die man den Angehörigen schon immer einmal sagen wollte.


Für Menschen mit kleinen Kindern kann daraus ein besonderes Vermächtnis entstehen.

Etwas, das die Kinder später in den Händen halten können.

Nicht als Ersatz für den Menschen.

Sondern als Verbindung zu ihm.


Würde ist kein Zustand, den man sich verdienen muss

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke.


Ein Mensch muss nichts Besonderes geleistet haben, um würdig zu sein.

Er muss kein perfektes Leben gelebt haben.

Er muss keine beeindruckende Geschichte vorweisen.


Sein Leben ist seine Geschichte.

Und diese Geschichte darf gesehen, gehört und gewürdigt werden.

Für mich ist das der Kern der Würdezentrierten Biografiearbeit.

 
 
 

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