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Ein Lebenslauf erzählt nicht alles

Monika Popp
31. Aug.
2 Min. Lesezeit

Ein Lebenslauf erzählt, was wir getan haben.

Eine Lebensgeschichte erzählt, wer wir waren.

In einem Lebenslauf stehen Jahreszahlen.

Schule.

Ausbildung.

Beruf.

Wohnorte.

Vielleicht Familienstand und Kinder.

Das alles ist wichtig.


Aber es erzählt noch lange nicht, wer dieser Mensch war.

  • Warum hat er diesen Beruf gewählt?

  • Warum ist sie damals in eine andere Stadt gezogen?

  • Wer war seine große Liebe?

  • Was hat sie zum Lachen gebracht?

  • Welche Entscheidung hat sein Leben verändert?

  • Was hat ihr Mut gemacht?

  • Worüber konnte er stundenlang erzählen?

  • Und worauf war sie vielleicht ganz still und für sich besonders stolz?


Das Entscheidende steht oft nicht im Lebenslauf

Ein Lebenslauf kann sagen:

1985 – Ausbildung begonnen.

Eine Lebensgeschichte fragt:

Warum hast du dich damals für diesen Beruf entschieden?

Der Lebenslauf kann sagen:

1992 – geheiratet.

Die Lebensgeschichte fragt:

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Der Lebenslauf kann sagen:

Zwei Kinder.

Die Lebensgeschichte fragt:

Was hast du empfunden, als dein erstes Kind geboren wurde?

So entsteht etwas ganz anderes.

Nicht nur eine Sammlung von Fakten.

Sondern ein Bild von einem Menschen.


Gerade am Lebensende bekommen solche Fragen Bedeutung

Wenn ein Mensch schwer erkrankt, verändert sich häufig der Blick auf das eigene Leben.

  • Was war wichtig?

  • Was möchte ich hinterlassen?

  • Was möchte ich meinen Angehörigen noch sagen?

  • Welche Erfahrungen möchte ich weitergeben?

  • Welche Geschichten sollen nicht verloren gehen?


Die Würdezentrierte Biografiearbeit bietet einen geschützten Raum für diese Fragen.

Dabei geht es nicht darum, ein vollständiges Buch über ein ganzes Leben zu schreiben.

Es geht um das, was für diesen Menschen jetzt Bedeutung hat.


Auch das Unscheinbare kann wertvoll sein

Eine Lebensgeschichte muss nicht aus großen Ereignissen bestehen.

Vielleicht erzählt jemand von der Küche seiner Kindheit.

Vom Geruch nach frisch gebackenem Kuchen.

Vom ersten Fahrrad.

Von einem bestimmten Sommer.

Von einem Lehrer, der an ihn geglaubt hat.

Von einem Menschen, der ihn enttäuscht hat.

Von einer Entscheidung, die damals niemand verstanden hat.

Solche Geschichten wirken auf den ersten Blick vielleicht klein.

Aber genau darin steckt oft das Persönliche.

Und genau diese kleinen Dinge können später für Angehörige besonders kostbar werden.


Eine Lebensgeschichte darf widersprüchlich sein

Ein Mensch muss sein Leben nicht schönreden.

Auch Scheitern gehört dazu.

Verlust.

Fehler.

Angst.

Schuld.

Enttäuschung.

Neuanfang.

Vergebung.


Eine Biografie muss kein Zeugnis eines perfekten Lebens sein.

Sie darf ein ehrliches Zeugnis eines gelebten Lebens sein.

Mit all seinen hellen und dunklen Seiten.


Was bleibt? Vielleicht ist das die wichtigste Frage überhaupt:


Was soll von mir bleiben?

Nicht unbedingt materiell.

Vielleicht eine Geschichte.

Ein Wert.

Eine Haltung.

Eine Erinnerung.

Ein Satz.

Eine Botschaft an die Kinder.

Oder einfach das Wissen:

So war dieser Mensch.


Das ist für mich der Unterschied zwischen einem Lebenslauf und einer Lebensgeschichte.

Der eine dokumentiert Stationen.

Die andere macht einen Menschen sichtbar.

 
 
 

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