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Für wen schreibe ich eigentlich Lebensgeschichten?

Monika Popp
3. Aug.
2 Min. Lesezeit

Für wen schreibe ich eigentlich Lebensgeschichten?

Die Antwort ist nicht ganz so einfach.

Denn die Menschen, mit denen ich arbeite, sind unterschiedlich.

Was sie verbindet, ist nicht ihr Alter.

Nicht ihr Beruf.

Nicht ihre Lebensgeschichte.


Sondern der Wunsch, dass etwas von ihrem Leben gesehen, verstanden und vielleicht weitergegeben wird.


Für Menschen in der letzten Lebensphase

Manche Menschen spüren:

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, zurückzublicken.

Was hat mein Leben ausgemacht?

Was war wichtig?

Welche Menschen haben mich geprägt?

Was möchte ich meinen Angehörigen noch sagen?


Vielleicht geht es um Sinn.

Vielleicht um Würdigung.

Vielleicht um Abschied.

Vielleicht einfach um den Wunsch, die eigene Geschichte einmal in Ruhe zu erzählen.


Für schwer erkrankte Eltern

Diese Form der Biografiearbeit liegt mir besonders am Herzen.


Wenn Eltern kleiner Kinder schwer oder lebensverkürzend erkranken, entsteht häufig eine besondere Sorge:

Was werden meine Kinder später über mich wissen?


Die Kinder sind vielleicht noch zu klein, um die großen Fragen zu stellen.


Die Eltern können aber heute schon Antworten hinterlassen.

Eine persönliche Geschichte.

Erinnerungen.

Wünsche.

Werte.

Lebensweisheiten.

Und vor allem:

ihre eigenen Worte.


Für Angehörige

Manchmal ist es nicht der erkrankte Mensch selbst, der auf mich zukommt.

Vielleicht ist es eine Tochter.

Ein Sohn.

Eine Partnerin.

Ein Bruder.

Eine Freundin.

Oder eine Fachkraft.


Jemand, der spürt:

„Das wäre etwas, das diesem Menschen guttun könnte.“

Dann können wir gemeinsam überlegen, was möglich ist.


Für ältere Menschen

Biografiearbeit kann auch unabhängig von einer akuten Erkrankung wertvoll sein.

Vielleicht möchte ein Mensch auf sein Leben zurückblicken.

Die eigene Lebensleistung würdigen.

Erinnerungen bewahren.

Familiengeschichten weitergeben.

Oder einfach erzählen.

Auch dafür kann es einen guten Zeitpunkt geben.


Für Menschen in einer Lebenskrise

Manchmal bringt uns eine Krise dazu, über das eigene Leben nachzudenken.

Was möchte ich eigentlich?

Was hat mich hierhergeführt?

Was möchte ich verändern?

Welche Erfahrungen tragen mich?

Welche Menschen sind mir wichtig?


Auch dann kann biografisches Arbeiten helfen, die eigene Geschichte aus einer neuen Perspektive zu betrachten.


Und für Einrichtungen

Auch Hospize, ambulante Hospizdienste und palliative Einrichtungen können von einer biografischen Begleitung profitieren.


Denn psychosoziale Begleitung bedeutet für mich auch, den Menschen jenseits seiner Erkrankung wahrzunehmen.


Biografiearbeit kann dafür einen zusätzlichen Raum schaffen.

Einen Raum für Erinnerung, Identität, Würde und Weitergabe.


Was all diese Menschen verbindet

Es ist nicht das Bedürfnis nach einem „schönen Buch“.


Es ist der Wunsch nach etwas anderem:

gesehen zu werden.

Gehört zu werden.

Und vielleicht etwas zu hinterlassen.


Darum geht es in meiner Arbeit.

Erinnern. Erzählen. Weitergeben.

 
 
 

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